Wie Recycling gegen steigende Baukosten helfen kann

Nicht nur die große Wohnungsnachfrage treibt Preise und Mieten in die Höhe. Schuld ist auch die Rohstoffknappheit. Selbst bei Sand und Kies gibt es bereits Engpässe.

Die Zukunft des Bauens kommt in Dutzenden verschiedenen Grau-, Braun- und Rottönen daher, und eine ihrer Quellen liegt in Kirchheim unter Teck, einem 40.000-Einwohner-Städtchen eine halbe Autostunde östlich von Stuttgart. „Das, was Sie hier sehen, das ist die Zukunft“, sagt Walter Feeß und zeigt auf die unzähligen Gesteinsberge, zu denen sich millimetergroße Sandkörner und walnussgroße Schottersteine türmen.

Dazwischen rangieren Lkws, die pausenlos Bauschutt auf den Hof fahren, gelbe Abbruchbagger, die mit einem Greifarm die größten Brocken brechen. Mittendrin eine hochmoderne blaue Waschanlage mit Förderbändern, die großes von kleinem Gestein trennt.

Feeß recycelt Bauschutt zu Baustoffen und ist ein Mann mit einer Mission: Er will Beton aus recycelten Baustoffen in Deutschland zum Durchbruch verhelfen. „Die großen Mengen an nicht verwendeten Bauabfällen ist ein ähnlich drängendes Umweltproblem wie der Plastikmüll in den Weltmeeren, nur leider nicht so bekannt“, sagt Feeß.

Während die Baupreise in Deutschland steigen, landen große Mengen von abgerissenen Gebäuden auf Deponien. Dabei sind Rohstoffe einer der Preistreiber am Bau. Zuletzt drohte selbst Sand, den es eigentlich in Deutschland in Mengen gibt, in einigen Regionen knapp zu werden. Forscher und Unternehmer raten deshalb zu mehr Recycling. Die deutsche Immobilienbranche will davon bislang nur wenig wissen. Dabei schlummert im Gebäudebestand ein wahrer Rohstoffschatz.

Die Baupreise sind stark gestiegen. Insgesamt hat sich Bauen in den vergangenen fünf Jahren um 15 Prozent verteuert. In den gefragten Städten, wo besonders viel gebaut wird, klagen Unternehmen noch über deutlich höhere Preissteigerungen. Der Fachkräftemangel und steigende Löhne gelten als größter Preistreiber.

Zugleich ziehen die Rohstoffpreise an. Allein im vergangenen Jahr hat sich Betonstahl um zwölf Prozent verteuert, Beton um drei Prozent. Für Sand gibt es keine offiziellen Zahlen, nur Schätzungen: „Im letzten Jahr ist der Preis aufgrund der Verknappung überregional um fünf bis zehn Prozent gestiegen“, sagt Harald Elsner, Geologe bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.

Lesen Sie hier weiter

Veröffentlicht auf handelsblatt.com

You may also like...